Eine LEBENSRETTER Weihnachtsgeschichte

22.12.2021

Wir wollen heute eine Geschichte von einem LEBENSRETTER der ersten Stunde mit besonders vielen Einsätzen mit euch teilen, die ihm von all seinen Einsätzen am stärksten in Erinnerung geblieben ist.

Sanitäter MB erzählt:

Das Ganze ereignete sich zu Weihnachten vor einigen Jahren. Es war wieder eines der typischen Jahre, in dem ich am 24.Dezember noch einige Geschenke besorgen musste, da ich mich nicht zeitgerecht darum gekümmert hatte.  Es war gegen 10 Uhr, und ich suchte im Internet hektisch nach Gutscheinen, damit ich für alle aus meiner Familie und für meine Freunde eine Überraschung parat habe. Plötzlich ging auf meinem Handy der Alarm los. Ich packte meine Sachen zusammen und stürmte aus der Wohnung in Richtung des Einsatzortes. Nach wenigen Augenblicken war ich auch schon vor Ort und wurde von einer Heimhilfe bei der Eingangstür empfangen und in das Zimmer geleitet in dem die Patientin lag. Es war eine etwa 80-Jährige Dame, die regungslos in ihrem Bett lag. Sofort legten die Heimhilfe und ich die Dame auf den Boden und begannen mit der Reanimation. Was mir bei meinem Eintreffen anfänglich gar nicht aufgefallen war, war daß im Nebenzimmer der Gatte der Betroffenen saß und mit Tränen in den Augen zusah, wie wir versuchten das Leben seiner Frau zu retten. Kurze Zeit nachdem wir mit der Reanimation begonnen hatten traf auch schon ein RTW, ein Nef und ein FISU ein und übernahmen die Reanimation. Erst dann merkte ich, dass der ältere Herr mittlerweile sein Handy genommen hatte und seine Tochter anrief. Während wir im Nebenraum noch dabei waren seine Frau zu reanimieren, rief er sie an und sagte ihr, dass die Mutti gerade gestorben sein und umriss kurz die Geschehnisse, die sich gerade in der Wohnung zugetragen hatten. Mit den Worten „Dennoch frohe Weihnachten“ legte er schließlich auf und sah wieder zu, wie die Reanimation weiterging. Ich stand fassungslos da und konnte nicht begreifen, wie der Mann seiner Tochter mitteilen konnte, dass seine Frau gestorben ist, obwohl die Reanimation noch immer im Gange war. Traurigerweise sollte der Herr jedoch rechtbehalten und etwas später beschloss der Notarzt die Reanimation einzustellen.

Ich ging schließlich nach Hause und setzt mich wieder vor den Computer um dort weiterzumachen, wo ich zuvor unterbrochen wurde. Jedoch konnte ich mich nicht aufraffen sinnlos irgendwelche Geschenke im Internet zu besorgen, nur um etwas in den Händen zu haben. So saß ich einige Minuten da und ließ die gerade geschehenen Dinge nochmals revuepassieren. Ich entschied mich dazu, das Suchen nach Geschenken zu beenden und einen Stock höher zu meinen Eltern zu gehen. Ich erzählte ihnen von dem Einsatz, plauderte mit ihnen einige Zeit und schließlich verbrachten wir den restlichen Tag gemeinsam Kekse zu backen. Durch den Einsatz wurde mir deutlich vor Augen geführt, worum es eigentlich bei Weihnachten geht, und dass es nicht wichtig ist, ob man für alle Geschenke hat oder nicht. Denjenigen, für die ich noch keine Geschenke hatte, habe ich einfach ein Sackerl mit Keksen gegeben zusammen mit einer Karte, in der ich bat mir mitzuteilen was wirklich gebraucht wird, damit ich nicht sinnlose Geschenke kaufe die sofort in irgendeiner Ecke landen. So traurig der Einsatz mit dem unerfreulichen Ausgang auch war, half er mir dabei aufzuzeigen, dass die Zeit mit der Familie wesentlich wichtiger ist, als irgendwelche Geschenke.

Auch nun einige Jahre später denke ich eigentlich jährlich in der Weihnachtszeit an diesen Einsatz zurück.

Euer LEBENSRETTER MB, Weihnachten 2021

 

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